Lichtlinien

von: Lucia Grabner

Genre: Psychologischer Roman / Erzählung

„Es gibt Geschichten, die beginnen nicht mit einem Anfang – sondern mit einem Riss.“

Mira verliert in den Bergen alles, was ihre Zukunft war. Zurück bleibt eine Stille, die keine Richtung kennt, und ein Schmerz, der sie zu verschlingen droht. Doch inmitten der Leere begegnet sie Johanna – einer Frau, die das Leben und das Loslassen versteht.

„Lichtlinien“ begleitet Mira auf einem Weg, der sie vom schroffen Grat der Alpen bis in die pulsierenden Straßen einer neuen Stadt führt. Inspiriert von Hermann Hesses Siddhartha und getragen von der Erkenntnis, dass das Leben ein ewiger Fluss ist, lernt Mira, dass Erinnerungen nicht nur Last, sondern auch Halt sein können.

Ein tiefgründiges Werk über die heilende Kraft der Psychologie, die Stille der Verbundenheit und den Mut, die erste Seite einer neuen Zukunft aufzuschlagen.

Leseprobe

... Ein falscher Schritt. Ein loser Stein.

Ein kurzer Aufschrei, ein verzweifeltes Greifen nach Halt, das ins Leere ging. 

Mira sah, wie Leos Augen weit wurden, wie sein Körper sich in der Luft drehte, bevor die Schwerkraft ihn unwiderruflich in die Tiefe zog.

Kein Schrei von ihm. Kein Echo.
Nur Stille.

Der Schrei, der ihre Kehle verließ, war roh und animalisch, ein Echo des Schreckens, das in ihr aufstieg, zerrissen und verzweifelt wie das Kreischen eines verletzten Tieres. 

Sie stürzte auf die Knie, klammerte sich an das kalte Gestein, ihre Finger schmerzhaft verkrampft, ihre Nägel rissen sich in den Stein, als könnten sie so die Welt festhalten.

Das Geräusch, als er aufschlug, war dumpf und endgültig. Es zerfetzte die Stille der Berge, zerriss die perfekte Harmonie ihres Lebens in tausend scharfe Scherben. Ein Riss in der Welt.

Die Luft war noch immer klar.
Die Berge noch immer da.
Aber Leo war fort.

Die Welt um sie herum schien ungerührt zu bleiben. Der Adler zog weiter seine Kreise, die Sonne schien gleißend hell, der Wind sang sein Lied, als wäre nichts geschehen. Doch für Mira war alles geschehen.

Ihr Herz schlug wie wild gegen ihre Rippen, ein panischer Vogel in einem Käfig. Der Schock lähmte sie, ließ sie nicht atmen, nicht denken. Nur ein Wort wiederholte sich in ihrem Kopf, immer wieder, laut und unerbittlich: Leo.

Ein einziger Fehltritt, ein winziger Moment der Unachtsamkeit, hatte ihre gemeinsame Zukunft ausgelöscht, sie in einen Abgrund der Verzweiflung gerissen, aus dem es kein Entrinnen zu geben schien.

„Leo!“ Ihre Stimme zerschnitt die Luft, brach an den Felsen und fiel als Echo zu ihr zurück.

Sie rief. Sie rannte. Sie suchte. Sie kletterte zurück, rutschte, riss sich die Hände auf, schlug sich ihre Knie blutig. Ihre Lungen brannten, ihr Körper war nur noch Schmerz und Bewegung, aber ihr Geist war leer, nur angetrieben von der einen, alles beherrschenden Frage: Ist er noch da?

Aber es gab nichts zu finden.
Nur Leere.
Nur Entsetzen.
Nur ein Körper, später.
Und ein Leben, das nicht mehr ihres war.

Die Stille, die auf den Aufprall folgte, war ohrenbetäubend, eine Stille, die alles verschluckte, was sie jemals geliebt hatte.

Sie saß stundenlang am Rand des Abgrunds. Die Sonne wanderte, der Wind drehte, die Schatten wurden länger. 

Ihre Finger waren aufgeschürft, der Staub klebte an ihrer Haut, der Geschmack von Blut und Salz lag auf ihren Lippen.

Sie sprach mit ihm – leise, brüchig, wie durch Wasser. Worte, die sie kaum hörte, weil sie irgendwo zwischen ihr und dem Abgrund verhallten...

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